Schönste Schlappe der Vereinsgeschichte

Als Abschluss der „Profitage“ stand bei der Sportvereinigung 06 Ketsch gestern Mittag das Highlight gegen die Fußball-Bundesligatruppe der TSG 1899 Hoffenheim auf dem Programm. Dass es für die sechs Klassen unter der TSG spielenden Ketscher vor allem darum ging, die Erfahrung aufzusaugen, war allen Beteiligten bewusst – auch den 2250 Zuschauern im Enderle-Sportpark. „Das war eine tolle Erfahrung für uns alle. Wir haben jeden einzelnen Moment genossen und werden ihn noch sehr lange in Erinnerung behalten“, sagte Trainer Joachim Fellhauer nach dem Abpfiff des Testspiels, bei der das Ergebnis von 1:11 (0:6) beinahe in den Hintergrund rückte.

Nach den Spielen gegen den SV Sandhausen und dem Karlsruher SC war Hoffenheim die dritte Profimannschaft binnen drei Wochen, die ihre Visitenkarte in Ketsch abgab. Nach einem gewonnenen Gewinnspiel durfte sich die Spvgg 06 über das Duell gegen die Stars, die man eigentlich nur aus dem Fernsehen kennt, freuen. Einen Akteur werden sie in Ketsch sicher noch lange in Erinnerung behalten: Roberto Firmino. Der Brasilianer, der vergangene Woche ein lukratives Angebot von Lok Moskau erhielt, drückte dem fröhlichen Sommerkick mit sechs Treffern den Stempel auf.

Roberto Firmino bärenstark
Bereits nach vier Minuten überwand er, in Abwesenheit zahlreicher Stammspieler, die Ketscher Hintermannschaft zum ersten Mal. Es folgte ein Treffer vom Elfmeterpunkt von Vincenzo Grifo und jeweils zwei weitere Tore von Ahmed Sassi und Firmino zum 6:0-Halbzeitstand. Nach der Pause hatte aber ein Ketscher das Momentum auf seiner Seite. Nachdem zuletzt Steffen Rohr gegen den KSC doppelt erfolgreich war, war es diesmal Atiya Djobo vergönnt, den Ehrentreffer für die 06er zu erzielen. Der Ball kullerte in Zeitlupe über die Torlinie und brachte die Rekordkulisse dann in Freudentaumel.
Jedoch stellte TSG-Nachwuchstalent Kenan Karaman den alten Sechs-Tore-Vorsprung wieder her, ehe Firmino drei weitere Male einnetzte. Dem norwegischen Neuzugang Tarik Elyounoussi gelang mit seinem ersten Treffer im 1899-Dress der Schlusspunkt. Hoffenheims Trainer Markus Gisdol beorderte im zweiten Vorbereitungsspiel der Saison drei gestandene Akteure in seine Startformation. Zusätzlich war mit Koen Casteels die nominelle Nummer eins auf der Ersatzbank.

„Für uns geht es momentan in erster Linie darum, dass wir wieder das Gefühl auf dem Platz bekommen. Wir haben Eindrücke gesammelt, aber diese dürfen wir gegen solch einen Gegner nicht überbewerten“, sagte Gisdol. Sein Abwehrchef Jannik Vestergaard war besonders mit der Anfangsphase zufrieden: “ Die ersten 20 Minuten haben wir klasse gespielt. Danach hatten wir auch ein paar Schlampereien. Hinzu kamen gegen Ende schwere Beine, die der bisherigen Vorbereitung geschuldet sind.“ Für die Ketscher geht es nach dem Ausflug in die Profiwochen nun wieder zurück in den Alltag. Landes- statt Bundesliga heißt es dann wieder in Ketsch. „Am Dienstag beginnt die Realität. Wir durften jetzt ein bisschen träumen, aber ab der kommenden Woche steht die Vorbereitung im Fokus. Es war eine herrliche und für uns einmalige Zeit“, sagte Ketschs Publikumsliebling Steffen Rohr.

© Schwetzinger Zeitung, Montag, 08.07.2013